Logwar der Quadym: Die Geburt eines Helden (I)

Bald_warrior

Logwar?

Die Welt ist im Wandel. Die mythischen Reiche der Alten sind der Vergessenheit anheim gefallen und liegen in Trümmern. Sarth mit seinen Tempeln aus Silber hat aufgehört zu existieren. Imbar ist von den Wäldern zurückerobert, denen es einst unter großen Opfern abgetrotzt wurde. Oh, herrliches Imbar, nur noch einmal möchte ich deine Wunder schauen, einen flüchtigen Blick auf die smaragdbesetzten Türme deiner Städte werfen. Und auch das stolze Hevrôn, Reich des Nordens, ist unter den Gletschern einer neuen Eiszeit begraben. Die Welt ist im Wandel. Noch glauben die Menschen an die Alten und ihre Götter, doch ihr Einfluss schwindet stetig. Eherne Traditionen und althergebrachte Lehren werden hinterfragt und neue Reiche von tapferen Heerführern und Tyrannen aus dem Boden gestampft. Der große Krieg zwischen den Göttern und den Unnennbaren liegt viele tausend Jahre zurück und nur wenig ist den Menschen noch bekannt aus diesen grauen Tagen der Vorzeit. Die Welt ist im Wandel. Die Entdeckung des Schwarzpulvers hat die Landkarten der Welt verändert. Dunkle Magie und Hexerei ist überall. Keschtor, das mächtige Reich im Westen, hat die Götter verraten und opfert nur noch einem einzigen Gott. Das einst blühende Krônvall kämpft mit Hungersnöten. Und Sûd, das Juwel des Südens und Hort der Wissenschaft, wird von Piraten aus fremden Ländern heimgesucht. Die Welt ist im Wandel. Jenseits des großen Gebirges schwelt noch immer der abscheuliche Makel der Unnennbaren. Und die Kreaturen, die dort emporsteigen sind von diesem Makel befleckt und verdorben. Primitive Wilde rotteten sich an der schwarzen Küste Rovanis zusammen, das grausame Kihito hat seine ersten Dynastien auf den Schädeln unzähliger Opfer gegründet. Im Norden hausen schreckliche Ungetüme, halb Mensch und halb Affe und in den dunklen Wäldern der Ebenen lassen machthungrige Nekromanten den lebenden Tod umherwandeln.

Es ist diese Welt und diese Zeit, in der Logwar vom Stamm der Quadym seinen Namen in das Buch der Legenden schreibt. Geboren als Nachfahre der vorzeitlichen Könige und aufgewachsen als Häuptlingssohn in den rauen Steppen von Ashbarr, wird Logwar durch ein schreckliches Schicksal seinem Stamm und seiner Heimat entrissen. Stets von dieser grausamen Vergangenheit verfolgt, zieht er als rastloser Wanderer und Abenteurer durch die Reiche einer Welt, die nicht mehr die seine ist, immer auf der Suche nach Ruhm, Reichtum, Rache und einem ehrenvollen Tod in der Schlacht.“  

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Fafhrd und der graue Mauser

Das Schwerste bei der Erschaffung des Protagonisten innerhalb einer Sword&Sorcery-Umgebung ist sicher das Vermeiden von Stereotypen. Sicher: Klischees machen Spaß, und Heroic Fantasy wäre kein prägnantes Genre, hätte es nicht aus sich selbst heraus einige Klischees erfunden und immer wieder zitiert. Als Klassiker wären natürlich der starke Barbar, der kluge Dieb und der wissenshungrige Magier zu nennen. Diese drei Archetypen sind in fast jeder S&S-Geschichte in der ein oder anderen Weise präsent (mit Ausnahme von Moorcocks Elric von Melniboné), man denke beispielsweise an Fritz Leibers dynamisches Duo Fafhrd und der graue Mauser oder an Robert E. Howards Kull von Atlantis. Will man nun eine neue Figur in diesem Muster kreieren, muss sie also gleichzeitig einige Regeln einhalten, als auch mit einigen brechen, um nicht zu einem völligen Klischee zu verkommen.

Mit Logwar dem Quadym habe ich versucht, einen Charakter zu erschaffen, der aus einer komplexen und alten Stammesstruktur stammt, aus der er freiwillig ausscheidet um Rache an den Entführern seiner Frau zu nehmen. Geplagt von seinem Versagen, zieht Logwar ruhelos durch die Reiche der Welt und sucht (mehr unbewusst als bewusst) den ehrenvollen Tod in Kampf mit einem würdigen Gegner. Logwar ist durchaus zu Gefühlen wie tiefempfundener Trauer und der Reflektion seines eigenen Handelns fähig, wobei ihm Tugenden wie „Freiheit“ und „Ehre“ wichtige Wegweiser in einer sich verändernden Welt sind.

Anders als seine großen Vorbilder Conan, Fafhrd und Kull ist Logwar vom Typ her als Südländer gedacht. Mit seinem kahlgeschorenen Schädel gleicht er eher dem Xerxes aus Millers 300 als  den langhaarigen Nordmännern der Klassiker. Logwars Heimatland Sûd ist morgenländisch inspiriert und trägt Züge von Saudie-Arabien, Iran und Indien. Hier zieht sein Volk als Nomadenstamm durch die Ebenen von Ashbarr, wie es schon seine Vorfahren tausende Jahre zuvor getan haben. Doch die sûdische Gesellschaft hat sich verändert. Der Handel mit Schwarzpulver hat neuen Wohlstand und bürgerliche Eliten hervorgebracht, die alten Dynastien wurden gestürzt. Den neuen Herren sind die altertümlichen Quadym mit ihrer langen Tradition und stolzen Geschichte ein Dorn im Auge, eine Problematik, mit der Logwar im Laufe seiner Abenteuer immer wieder auf die ein oder andere Weise konfrontiert wird.

© J.Islinger

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~ von 21ghostwriters - 2014/02/22.

3 Antworten to “Logwar der Quadym: Die Geburt eines Helden (I)”

  1. […] erste Episode zu den Abenteuern Logwars steht kurz vor ihrer Vollendung und ich denke, dass sie ganz passabel geworden ist. Noch hat die […]

  2. […] meinem Logwar-Zyklus habe ich versucht, an einige dieser überlieferten Beschreibungs-Stränge anzuknüpfen. Die Stadt […]

  3. […] ich anfing, einen zauberkundigen Antagonisten für meinen Logwar-Zyklus zu entwerfen, kam ich nicht umher, mich hier und da bei den großen Vorbildern zu bedienen. […]

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