Logwar der Quadym: Geburt eines Helden (II)

„Auch der prunkvollste Palast ist ein Gefängnis aus Stein. Wir Quadym bevorzugen die Weite der Steppe vor uns, das Sternenzelt über uns und den Rücken des Pferdes unter uns.“

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Manuskript, 1. Fassung

Die erste Episode aus den Abenteuern Logwars steht kurz vor ihrer Vollendung und ich denke, dass sie ganz passabel geworden ist. Noch hat die Geschichte keinen Namen, der Arbeitstitel „Seil&Haken“ bezieht sich lediglich auf einige Utensilien, die immer wieder im Verlauf der Story Verwendung finden. Worum geht es also?

Gleich zu Beginn lernen wir Logwar kennen, der sich seine Brötchen als Gladiator in der Arena von Oskan verdient. Ich habe für diesen Ort den Namen Arena des Todes gewählt − natürlich in seiner Trashigkeit völlig beabsichtigt − um gleich zu Beginn die Marschroute der Geschichte vorzugeben. In den folgenden Szenen stelle ich klar, dass wir es bei Logwar mit einem erfahren Kämpfer zu tun haben. Hier sollten von Anfang an keine Zweifel bestehen. Wer mit dem Schwert nicht umgehen kann, hat in einer Sword&Sorcery-Novelle nichts verloren.

Aufgrund einer Intrige aus falschen Anschuldigungen gerät Logwar in Gefangenschaft. Mit der Hilfe des in die Jahre gekommenen Diebes Rettwick gelingt ihm schließlich die Flucht aus den Verliesen Oskans. Und natürlich sinnt er auf Rache. Blutige Rache.

Müßig zu erwähnen, dass die ganze Konstellation „Barbar und Dieb“ stark an Fafhrd und den grauen Mauser aus Fritz Leibers Lankhmar-Reihe erinnert. Da ich kein Pastiche schreiben wollte, wurde Rettwick ein wenig älter und verbrauchter als sein großes Vorbild: Ein Meisterdieb, der seine besten Tage schon hinter sich hat und eine ganze Weile in den Verliesen von Oskan vor sich hinvegetierte. Aus diesem Hintergrund speist sich auch eine gewisse Kauzigkeit des Charakters. Auch Rettwick ist an Rache interessiert, gleichzeitig treiben ihn aber noch andere Motivationen an, von denen wir später mehr erfahren.

Ein paar Leseproben (Änderungen vorbehalten):

1. Ein älterer Mann in der purpurnen Robe eines hohen keshtorischen Amtsträgers trat hinzu und nahm neben Kherim Platz. Theklan Draun war der oberste Kanzler Oskans und nach dem Fürsten die höchste Instanz der Vulkanstadt. Solange Fürst Angor als Heerführer die Grenzen des Reichs verteidigte, oblagen Draun sämtliche Amts – und Regierungsgeschäfte.
Ein Glücksfall, dachte Kherim, denn man munkelte, dass der Fürst selbst die Abneigung seiner Untertanen in Bezug auf Südländer und alles Fremde teilte. Draun hingegen war ein kluger Kopf von politischer Weitsichtigkeit. Für ihn spielte die Herkunft eines Mannes keine Rolle, schon gar nicht, wenn dieser Mann Kherim Cabnal hieß und die Schwarzpulverversorgung Oskans für die nächsten Jahre sichern konnte. Dafür würde er einen nicht unbeträchtlichen Teil der oskanischen Schatzkammern plündern.

2. Mit einem Mal verstummten das monotone Trommelspiel unter ihnen und das Geschrei in den Rängen ebbte ab. Alles starrte gebannt nach unten, als metallisches Klirren von Ketten und Gittertoren den Einzug der Gladiatoren ankündigte.
Zunächst passierte nichts. Dann betrat, unter blechernen Fanfaren und dem tosenden Applaus der Menge, ein riesiger Hüne mit fast kupferfarbener Haut die Kampfstätte. Bewaffnet mit einem primitiven Kriegshammer ließ er seinen wilden Blick über die Ränge gleiten. Für einen kurzen Moment war es Kherim, als ob die dunklen Augen des Riesen ihn fixierten. Dieses Tier musste Logwar der Quadym sein: Kraftstrotzend und mit glattrasiertem Haupt stand er wie ein Baum in der Arena, die auf einmal um vieles kleiner wirkte.

3. Während das Publikum wie in Ekstase schrie und jubelte, hatte sich Kherim Cabnal oben auf der Empore von seinem Divan erhoben und funkelte Theklan Draun verärgert an. Beschwichtigend wollte der Kanzler ansetzen, doch Kherim schnitt ihm zischend das Wort ab: „Kanzler Draun, mich beschleicht das ungute Gefühl, dass ihr mich ein wenig vorführen wolltet mit diesem doch sehr ungleichen Kampf. Dort unten wurde gerade der berüchtigte Farwern, die Klinge von Oskan, in zwei Hälften geschnitten, von einem unflätigen und unzivilisierten Steppen-Hund und ihr wollt mir sagen, dass dies keine Absicht gewesen sei?“ Kherim schubste einen Diener grob zur Seite, der herbeigeeilt war, um dem verärgerten Südländer etwas Wein zur Beruhigung nachzuschenken.

4.„Ah, ihr seid wieder bei Sinnen.“ Eine krächzende Stimme drang aus einer der dunklen Ecken zu ihm, dann schälte sich ein etwas verkümmertes und halbnacktes Männchen aus dem Schatten und gab sich Logwar zu erkennen.
Sein Mitgefangener war keine 1,60 Meter groß, trug einen langen, ungekämmten Bart und sah aus, als ob er schon eine ganze Weile hier unten war. Der saure Geruch von Fäkalien ging von ihm aus.
„Wer seid ihr? Wie komme ich hierher?“
„Beruhigt euch, Großer.“ Der Alte kicherte heiser. „Ihr seid im Verlies von Oskan. Die Stadtwache hat euch vor einer Stunde hier angekettet. Ihr seid Logwar, stimmt’s?“ Der Barbar schnaubte, immer noch etwas benommen.
„Woher wisst ihr das?“
„Hier unten schnappt man hin und wieder ein paar Geschichten von der Oberfläche auf. Die Wachen erwähnten euren Namen öfters, als sie über Wetteinsätze stritten. Und da ihr einen geschorenen Schädel wie die Quadym habt, lag es nahe, dass ihr ebenjener Logwar seid.“ Der Alte war jetzt bis in die Mitte der Zelle herangerückt. Logwar erkannte, dass er kaum noch Zähne im Mund hatte. Er schätzte ihn auf 50 Sommer, keinen Tag jünger.

© J.Islinger

 

 

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~ von 21ghostwriters - 2014/02/23.

2 Antworten to “Logwar der Quadym: Geburt eines Helden (II)”

  1. […] ich den Storybogen für meinen Logwar-Zyklus ausarbeitete, wollte ich meinem Protagonisten ein verständliches und nachvollziehbares Motiv für […]

  2. […] Was sehen wir also auf der Karte? Zunächst den (noch?) namenlosen Kontinent und die wichtigsten Reiche, die sich nach dem Untergang der alten Zivilisationen etabliert haben. Im Zentrum der Landmasse liegt Keshtor, ein großes und militärisch dominierendes Reich, das kulturell an Byzanz erinnert und als einziges Land den monotheistischen Kult des Gottes Garûn als Staatsreligion eingeführt hat. Die Hauptstadt Keshtors heißt Ungelorn, und wird im Volksmund aufgrund ihrer Pracht auch Stern des Westens genannt. Hier residiert der göttlich verklärte Hochkönig und herrscht mit eiserner Hand über seine Untertanen. Die Keshtori sehen sich als Schutzmacht der kleineren Reiche, vor allem, wenn nomadische Reitervölker aus dem Osten versuchen, das zentrale Gebirgsmassiv zwecks Plünderungen zu überqueren. Südlich der großen Wälder liegt die Stadt Oskan, ein wichtiger Handelsposten an der Grenze zu Sûd und Standort einer großen Kanonengießerei. Die komplette Stadt ist mehr oder minder in die Hänge eines erloschenen Vulkans geschlagen und Schauplatz der ersten Logwar-Geschichte. […]

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