Thongor of Lemuria: Conan-Klon auf LSD

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Thongor in seiner ganzen Pracht

Gerade hat der Postbote mir nach langer Wartezeit den sechsbändigen Buch-Zyklus über Thongor of Lemuria [BEHOLD!] – einem barbarischen Haudegen aus grauer grauer Vorzeit – zugestellt. Die Bücher stammen aus den 70ern, sind etwas vergilbt und riechen muffig. Ein gutes Bouquet, dass sich nur nach langer Regal-Lagerzeit entfalten kann. Dazu kommt ein schön-scheußliches Coverartwork, dass es heute nicht mal mehr auf den Mängelware-Grabbeltisch schaffen würde, so out of date wirken die farbenfrohene Klischee-Motive auf den Buchdeckeln. Doch Retro ist angesagt und was am Ende zählt, ist der Inhalt: Ich erwarte ehrliches, gut abgestandenes und schnörkelloses Sword&Sorcery-Material. Die Titel lesen sich gut: Thongor und die Stadt der Zauberer, Thongor am Ende der Zeit, Thongor und die schwarzen Götter, Thongor und der Zauberer von Lemuria, Thongor und die Stadt der Drachen, Thongor gegen die Piraten von Tarakus. Da sitzt jedes Wort, jede Überschrift trieft vor Genre-Klischees.

Ich bin vorsichtig optimistisch, denn Lin Carter steht bereits mehrmals durchgelesen in meinem Regal, in direkter Nähe zu umstrittenen Alt-Granden des Cosmic Horros wie August Derleth, Brian Lumley und Frank Belknap Long. Bekannt vor allem für seine Science Fiction-Märchen, ist Linwood Vrooman Carter in seiner Anfangszeit eben auch mit Geschichten zum Cthulhu-Mythos von H.P. Lovecraft und einigen Episoden aus dem Leben Conans von Robert E. Howard in Erscheinung getreten. Seinen Durchbruch feierte er in den frühen 60ern, zu einer Zeit, als Burroughs John Carter of Mars-Saga gerade auf dem Höhepunkt ihrer Popularität angelangt war. Damals verlegte Ace Books uahlreiche Wiederauflagen von Autoren wie Otis Adalbert Kline, Ralph Milne Farley und Ray Cummings, um die steigende Nachfrage an Science-Fiction Märchen (Sword&Planet) zu befriedigen. Und dann war da noch die erste Novelle eines jungen, unbekannten Autors im Verlagsprogramm: Thongor and the Wizard of Lemuria von Lin Carter.

Schaffte es sogar zum Marvel-Helden: Thongor

Strenggenommen ist Carters barbarischer Protagonist Thongor ein Conan-Klon, der auf Lemuria haust, einem legendären Kontinent, der vor 100.000 Jahren in einer fiktiven Vergangenheit existierte. Dort kämpft er hauptsächlich gegen die bösartigen Drachenkönige, eine sinistre Rasse humanoider Echsen, die aus den Dinosauriern hervorging und deren Ziel die Versklavung der noch jungen Menschheit ist. Das Buch verkaufte sich gut, so dass Carter bereits ein Jahr später den Nachfolger präsentierte. Aber nicht jeder war beeindruckt von Thongor. Harry Harrison schrieb 1966 in seiner Buchkritik folgendes:

„Man nehme ein stereotypes Conan-Klon, setz es auf Barsoom [Der Name des Planeten Mars in Burroughs John Carter-Büchern Anm. d. Vf.] und nenne das ganze Lemuria. Dann würze man es mit Elementen anderer legendärer Orte, werfe ein paar fliegende Raumschiffe in den Mix, dazu Dinosaurier und böse Hexer – kräftig verrühren und fertig ist das Abenteuer.“

Klingt jetzt eigentlich nicht so schlecht, oder? Lassen wir am Ende noch die Klappentexte für sich sprechen:

„Die Drachenkönige des alten Kontinents Lemuria schicken sich an, ihre verlorene Herrschaft über die Erde zurückzugewinnen. Und es gibt nur einen, der sich jetzt noch gegen die ewige Zerstörung auflehnen kann: Thongor, der mächtigste aller Krieger, unterstützt vom Wissen und von der Magie des Zauberers Sharajsha…“

Der versunkene Kontinent Lemuria, Heimat von Thongor. Gezeichnet von Lin Carter

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~ von 21ghostwriters - 2014/02/27.

4 Antworten to “Thongor of Lemuria: Conan-Klon auf LSD”

  1. Hm, du wirst lachen Thongor und die Schwarzen Götter hab ich hier auch noch Zuahuse rumfliegen. Ist zwar schon eine Zeit her, daß ich das gelesen habe. Man kriegt genau das was man erwartet.

    LG,
    Bernd

  2. Hallo Bernd,

    danke für deinen Beitrag. Ich bin jetzt zur Hälfte mit dem ersten Band durch und ärgere mich ein wenig, dass ich die Bücher in der deutschen Übersetzung lese. Mir kommt es so vor, als ob damals ein wenig eigenwillig, bzw. „zu wörtlich“ übersetzt wurde. Desweiteren fällt auf, dass die Story doch schon eine ganze Ecke flacher als das große Original ist, auch wenn Carter es mit dutzenden Vokabel-Eigenkreationen und Wortneuschöpfungen zu kaschieren versucht. Teilweise wirklich hart an der Grenze zum Klischee. Ein nettes Element sind wie gesagt die Flugboote und die Dinosaurier, die bereichern das Setting schon. Carter geht aber völlig die bildsprachliche Wortgewalt von Howard ab. Da gibt es von ihm bessere Beispiele, siehe die „Glocke im Turm“, eine postmortale Co-Prouktion von ihm und H.P. Lovecraft.

    Aber wir wollen nicht zu hart sein. Immerhin ist „Der Zauberer von Lemuria“ seine erste veröffentlichte Geschichte gewesen. Ich bin sicher, dass sich die Story in den kommenden Büchern weiterentwickelt.

  3. […] Fantasy-Story, angesiedelt in einer fiktiven und fremdartigen Urzeit, die mehr an Lin Carters Thongor of Lemuria als an Conans hyborisches Zeitalter erinnert. Moviepilot.de fasst die Handlung wie folgt […]

  4. […] nur durch Howards Conan und Imitationen dieses Charakters (wie Lin Carters lemurischen Barbaren Thongor) definiert, dann wäre es kein eigenständiges Genre, sondern eine Pastische-Bewegung, ganz […]

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