Von der Kunst des Beschreibens

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Eine typische Fantasy-Landschaft

Besonders im Bereich Fantasy nehmen Beschreibungen von Orten, Landschaften und Personen eine sehr wichtige Rolle ein. Eine fremde Welt sollte im besten Fall im Kopf des Lesers Gestalt gewinnen und sich gerade in ihrer Fremdartigkeit von Büchern mit realer Szenerie unterscheiden. Sicher: Eine stimmungsvolle Beschreibung ist immer der Atmosphäre zuträglich, doch sollte es wenig verwundern, dass die Beschreibung eines Kugelschreibers weniger Zeilen in Anspruch nimmt, als die eines exotischen Kulturgegenstands unbekannter Herkunft. In welchem Umfang das geschieht, ist natürlich Geschmackssache. Es gibt viele Grauzonen zwischen der Detailversessenheit eines Tolkien, dem parodistischen Stil eines Pratchett, der adjetivreichen Umschreibung eines Lovecraft und der sprachliche Nüchternheit (manche meinen Einfachheit) eines Dan Brown − um auch ein Beispiel aus einem anderen Genre zu nennen.  Zwei fiktive Textbausteine zur Verdeutlichung:

Beispiel 1: „Langsam stieg die rubinrote Scheibe der Sonne über den zerklüfteten und schneebedeckten Rand des gewaltigen Mommur-Gebirges, welches durch alte Schriften und geflüsterte Gerüchte für seine uralten, verlorenen Zwergenminen bekannt war, die noch immer Schätze von unglaublicher Pracht in ihren altehrwürdigen, jedoch jetzt von bösen und unheiligen Kreaturen heimgesuchten Hallen beherbergen sollten. Von Süden her trieb ein leiser Wind die fremdartigen und doch vertrauten Gerüche des nahen Waldes an die Nasen der müden Reisenden, ein Geruch von harzigen Tannennadeln, altem Holz und den moosbewachsenen Geheimnissen, die im Inneren des Forst schlummerten und von denen nur noch halbvergessene Sagen am Lagerfeuer kündeten.“  

Beispiel 2: „Die Sonne ging über den Bergen auf. Man erzählte sich von alten Zwergenminen im Gebirge, und den Kreaturen, die jetzt dort wohnten. Dann kam ein Wind von Süden auf brachte den Geruch des nahen Waldes mit sich.“

Detailreiche Beschreibungen haben ihre Daseinsberechtigung, sind sogar wichtig, wenn sie als Stilmittel bedacht eingesetzt werden. Sie sollen stimmungsfördernd, niemals Selbstzweck sein. Wenn sie dann auch noch dem Plot dienen, kann nur noch wenig schief gehen. Seitenlange Landschafts-Onanie kann schnell ermüdend und das Interesse des Lesers schmälern. Im schlimmsten Fall ist das Buch bereits beiseite gelegt, wenn der Plot  wieder an Fahrt aufnimmt.

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~ von 21ghostwriters - 2014/02/28.

4 Antworten to “Von der Kunst des Beschreibens”

  1. Kann ich nur bestätigen. Es ist etwas sehr ergreifendes, wenn man sich durch gezielt eingesetzte Worte des Autors in eine andere Welt begiebt, und dabei oft gar nicht bemerkt, völlig abgedriftet zu sein 😉
    Wenn der Leser im Geiste völlig in das fremde Universum eingetaucht ist, haben die Zeilen des Schriftstellers ins Schwarze getroffen 😀

    • Kennen Sie einige gute Beispiele? Ich ziehe hier immer gerne Tolkien heran, als Negativbeispiel. Jedenfalls funktioniert sein Stil bei mir nicht.

      • Puh, gute Beispiele fallen mir spontan nicht ein. Tolkien jedenfalls als Negativbeispiel zu verwenden, finde ich fast schade. Sicher übertrieb er es teilweise schon mit den Details, dennoch beherrschte er es gut, dem Leser ein Bild vor die Augen zu zaubern 😉
        Aber jeder entwickelt seinen eigenen Stil; ob nun einen guten oder einen schlechten sei dahingestellt 🙂

      • Michael Moorcock trifft meinen Geschmack eher. Atmosphärisch, nichtsdestotrotz habe ich nie das Gefühl, er würde die Handlung zugunsten von seitenlangem Schwelgen vernachlässigen,

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