Treasures of the 80s: Heroquest

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Look at the bitchin‘ box

Immer wieder gab es in der Geschichte des RPGs Momente der Popularität, in denen größere Spielekonzerne versuchten, das Nischengenre Fantasy und Rollenspiel auf dem großen Markt zu etablieren. Die 70er sahen das Revival der Sword&Sorcery-Literatur und die Erfindung von Dungeons&Dragons. In den 80ern kamen Fantasy-Streifen wie Conan, Beastmaster und Willow in die Kinos und avancierten schnell zu Kultfilmen. D&D war auf dem besten Weg, Teil der Popkultur zu werden und die kleine, britische Firma Games Workshop (GW) schickte sich an, die Kinderzimmer mit ihren Plastik- und Zinnminiaturen zu erobern. Im Zuge dieser heroischen Renaissance brachte MB-Spiele Ende der 80er Jahre in Zusammenarbeit mit GW das Brettspiel Heroquest auf den Markt.

I – Die Spielidee

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Klassisches Dungeon-Crawl Videospiel

Ähnlich wie in D&D übernehmen bei Heroquest bis zu vier Spieler die Rolle klassischer Helden wie Elf, Barbar, Zauberer und Zwerg. Ein weiterer Spieler schlüpft in die Rolle des Spielmeisters und konfrontiert die Helden in einer Reihe von Quests und Dungeonraids mit einer überschaubaren Auswahl an phantastischen Kreaturen, darunter Chaosritter, Orcs, Skelette, Zombies und böse Zauberer. Im Laufe eines typischen Spiels müssen die teilnehmenden Charaktere ein Gewölbe oder eine Burg erkunden, mittels ihrer speziellen Fähigkeit die Ungeheuer besiegen, tödlichen Fallen ausweichen und meistens einen verborgenen Schatz finden. Die Motivation des Spiels ist wie bei so manchem alten PC-Dungeon Crawler (The Bard’s Tale, Eye of the Beholder) der Ausbau seines eigenen Helden und das Streben nach immer mehr Macht und Reichtum. Aber auch der taktische Zusammenarbeit der Helden ist ein sehr wichtiger Faktor, denn in gewisser Hinsicht ergänzten sich die verschiedenen Fähigkeiten: Ist der Barbar ein geborener Kämpfer mit großer Stärke und vielen Lebenspunkten, so kann der Zwerg beispielsweise gut Fallen aufspüren und Geheimtüren finden. Zusammengefasst war HQ bei Veröffentlichung ein kurzweiliges Hack’n’Slay mit simplen Regeln. Das Grundspiel verkaufte sich gut und MB schickte mehrere Expansions wie Against the Ogre Horde, Wizards of Morcar und Return of the Witch Lord hinterher, die das Spiel um Regeln, Monster und Dungeons erweiterten. 1993 hatte es sich dann ausgequestet und die Produktion wurde eingestellt.

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Charakterbogen des Barbaren

Doch das war nicht das Ende des Spiels: In der kurzen Zeit, die es auf dem Markt war, hatte sich um HQ eine treue Community entwickelt, die beständig neue Quests und Regeln entwarf. Und das bis heute. Inzwischen hat das stark modulierte Spiel einen enorm komplexen Umfang erreicht: Spezielle Schätze je nach Feind-Region, eine Menge niederer Artefakte und magischer Spruchrollen, Schicksalskarten mit üblen Machenschaften des Bösen eine sehr große Ausrüstungsliste, spezielle Charakterbögen mit vielen vielen erlernbaren Fähigkeiten zum Stufenanstieg, und, und, und…wer sich für das Hobby Heroquest interessiert und Material sucht, wird hier und hier glücklich.

II – Eine Box aus vergangen Zeiten

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Deep into the dungeons

Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf das einzigartige Artwork werfen. Grafiker Les Edwards hat hier ein Cover entworfen, das unzweifelhaft in der großen Tradition klassischer Sword&Sorcery-Künstler steht. Der fellbekleidete Barbar mit seinem mächtigen Breitschwert, der blitzewerfende Magier in seiner bunten Robe und die zahlreichen Monster des Dungeons sind fantastisch in Szene gesetzt und erinnern an Größen wie Frank Frazetta oder Ken Kelly. Auch die Illustration der Spiel- und Schatzkarten, die Charakterbögen und das Spielbretts atmen ästhetisch den farbenfrohen und klischeebeladenen Geist der späten 80er. Ähnlich oldschool ist auch Spielgefühl einer Partie HQ. Hier geht es nicht um großes, abendfüllendes Rollenspiel und das detaillierte Ausarbeiten eines Charakters. Zu Beginn verliest der Spielleiter eine recht plumpe Geschichte, die den Einstieg in den aktuellen Quest erklärt: Meist bittet ein alter Mann/Magier/König die Helden um Hilfe und schickt sie zu einer Höhle/Burg/Ruine/Turm um ein mächtiges Artefakt zu bergen, die Prinzessin zu retten oder einen fiesen Hexenmeister aus dem Leben zu befördern.

III – Der klassiche Quest

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Behold the Lich-Lord

Anschließend reisen die Helden zum Eingang des Dungeons und steigen in die Tiefen. Ab diesem Punkt wird sich binnen ca. 2 Stunden Spieldauer durch die diversen Räume des Gewölbes gemetzelt und möglichst viel Beute geplündert. Wer am Ende überlebt, ist strahlender Sieger und kriegt als Belohnung ein magisches Schwert oder Gold. Dann ist der nächste Quest dran und die Geschichte beginnt von vorn, diesmal mit mehr Monstern, mehr Fallen und größeren Schätzen. Spielleiter, die nach dutzenden Runden mit dem beigepackten Abenteuerheft durch sind, können anschließend selber Quests entwerfen und eigene Dungeons designen. Der Wiederspielwert ist groß, ähnlich wie der Suchtfaktor, der sich dadurch potenziert, dass man immer mehr Module, Fähigkeiten und Hausregeln in das Basisspiel integrieren kann. Schon so mache Heroquest-Gruppe hat die einfache Grundbox im Laufe der Jahre zu einer komplexen Rollenspiel-Kiste hochgemotzt.

IV – Trotz Nachahmer immer noch Kult

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Descent : Journeys in the Dark

Auch wenn Heroquest nur vier Jahre verkauft wurde, gilt es heute als absolutes Kultspiel. Wer eine gebrauchte Grundbox sein Eigenen nennen will, muss tief in die Tasche greifen. Ich habe damals über 60 Euro für mein Grundspiel bei ebay gezahlt. Und wer dann noch so mutig ist, sich die Expansions zu besorgen, sollte besser einen Kredit aufnehmen. Kellar’s Keep oder das Barbarian Quest Pack gehen inzwischen auf den gängigen Auktions-Seiten für über 600 Euro weg. Die Nachfrage ist also nach wie vor vorhanden, sowohl bei Nostalgikern als auch jungen Leuten, die HQ neu kennengelernt haben und den Retro-Charme schätzen. Tatsächlich  gibt es derzeit wieder eine Art Revival des klassischen Dungeon Crawler, so spricht FFGs Brettspiel Descent : Journeys in the Dark eine ähnliche Zielgruppe wie seinerzeit HQ an. Descent ist zweifehlsohne ausgereifter, komplexer und taktischer als sein in die Jahre gekommener Vorfahr. Fraglich ist, ob das neue, comichafte Artwork, das derzeit so stereotyp für den Fantasy-Sektor ist, mit dem fantastischen Realismus des Originals mithalten kann. Ich wage es zu bezweifeln, aber die Antwort darauf bleibt am Ende Geschmackssache.

Und hier noch als Schmankerl dieser hochwertig produzierte TV-Werbespot, eingesprochen von einem fantastischen Jeremy Irons-Imitator:

 

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~ von 21ghostwriters - 2014/03/01.

2 Antworten to “Treasures of the 80s: Heroquest”

  1. […] meinem letzten Blogeintrag habe ich mir das kultige Tabletop-Brettspiel Heroquest vorgeknöpft und die Brücke zu den […]

  2. […] wird es sich wahrscheinlich um einen klassichen Dungeoncrawler in der Tradition alter Klassiker wie Heroquest handeln. Jedes Szenario wird von einem der Spieler geleitet und auf einem passenden Board gespielt, […]

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