Back to the Dungeon: Might and Magic X Legacy

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Kannst einpacken, Skyrim

In meinem letzten Blogeintrag habe ich mir das kultige Tabletop-Brettspiel Heroquest vorgeknöpft und dort die Brücke zu den Dungeon Crawl-Videospielen der 80er und 90er geschlagen. Wenn man in jener grauen Vorzeit von Computer Rollenspielen sprach, dann hieß das meistens: Eine Gruppe von klassischen Helden grindet sich in Ego Perspektive per WASD-Tastenbefehl durch pixelige Verliese, lootet möglichst viel Treasure (das sind jetzt wirkliche Fachtermini, kein Scherz) und wird alle Nase lang von den übermächtigen Gegner geplättet. Diese frühen RPGs waren wirklich keine einfache Sache und gingen oft mit hoher Frustration einher. Trotzdem hatten sie ihren Charme, auch ganz ohne die oft zitierte Retro-Brille. Das lag vor allem an einem echten und wahrhaftigen Erfolgsgefühl, das auftrat, wenn man nach dem 20. Anlauf endlich den Endboss im 10. Level des monsterverseuchten Dungeons gekillt hatte. Der Weg dorthin war aber lang und steinig. Anders als die perfekt durchdesignten Rollenspiele der Gegenwart, nahmen diese Urgesteine des Genres den Spieler nicht bei der Hand. Hier ging es gleich von Anfang an zur Sache und der plörtliche Spielertod war ein ständiger Begleiter. Typisch war auch das altbekannte Micromanagement, heißt das ständige Ausbessern und Reparieren von Rüstungen, das Kaufen von Tränken und Schriftrollen, sowie das Skillen der Charaktere.

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Schöner Kitsch

I – Legend of Grimrock

Eine der erfolgreichsten Spielereihen dieser Art war neben unzähligen anderen (Eye of the Beholder, Dungeon Master) die Might and Magic-Serie. Über viele Jahre und neun Teile setzten Die Entwickler dieser Spiele Maßstäbe in Sachen Computer-RPGs. Erst Diablo und Biowares Baldurs Gate gelang es nach langer Zeit, das angestaubte Genre  zu revolutionierten und die alten Dungeon Crawler in die Mottenkiste der Geschichte zu verbannen. Dort warteten sie ein Jahrzehnt auf ihre Wiedererweckung.

Das Spiel, mit dem alles wieder anfingt, war ein Indie-Game namens Legend of Grimrock. Das Spiel fühlte sich an wie 1995, es spielte sich wie 1995, doch es sah aus wie 2013. Den Entwicklern war es gelungen, die alte Idee des Dungeon Crawlers gekonnt in die Gegenwart zu übersetzen. Zu ihrer eigenen Verwunderung fand das Game eine interessierte Zielgruppe und verkaufte sich so gut, dass ein zweiter Teil bereits in der Entwicklung ist. Seit diesem Überraschungserfolg erlebt die Nische der Oldschool-Rollenspiele gerade einen zweiten Frühling und nicht wenige Studios schicken sich an, ebenfalls Titel im Retro-Look auf die Nerds loszulassen.

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Legend of Grimrock

II – Macht und Magie

Auch Ubisoft (seit 2003 Inhaber der M&M-Lizenz) hat diesen Trend gewittert und 2013 nach einer Dekade Pause den zehnten Teil der Might and Magic-Saga auf den Markt geworfen, der seitdem unter dem treffenden Titel Legacy die Herzen der Oldschool-Spieler erfreut. Die Entwickler haben sich offensichtlich viel Mühe gegeben, das Spiel so altmodisch wie möglich wirken zu lassen, vor allem was die Spielmechanik anbelangt. Die angekündigte Open World ist hier ehrlichgesagt mehr Staffage für dutzende Dungeons, die Spielwelt ist theoretisch selbst an der breitesten Stelle in weniger als 5 Minuten durchquert. Wie in den alten Teilen bewegt man sich in einem unsichtbaren Quadrat-Raster durch die Welt und kann mittels 90°-Drehungen umhermanövrieren. Was Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig daherkommt, geht schnell in Fleisch und Blut über. Selbiges gilt für die Grafik, hier hinkt M&M den aktuellen RPG-Instanzen wie Skyrim oder Dragon Age einfach Jahre hinterher. Aber auch das ist nicht weiter wild, Grafik war noch nie das Aushängeschild eines guten Dungeon Crawlers.

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Was guckst du? Might and Magic X

Vielmehr dient die Grafik nur als Krücke, um dem Spieler eine Kulisse für anspruchsvolles Monster-Grinden zu liefern. Und da geht es gleich von Anfang an mächtig zur Sache. Die vierköpfige Spieler-Gruppe (Orc, Elf, Zwerk, Mensch) ist keine 5 Minuten auf der generischen Fantasy-Halbinsel Agyn, da bittet uns der schlechtgelaunte Garnisions-Kommandant den örtlichen Brunnen von einer Spinnenplage zu befreien. Natürlich geht es um riesigen Monsterspinnen und schon wenige Klicks später ist man im ersten Dungeon dreimal krepiert. Alles wie in alten Tagen. Zwischen den Quests geht man mit dem erbeuteten Gold Waffen einkaufen, trainiert Skills und Spells und muss alle Nase lang im Tempel der Stadt einen Spielercharakter wiederbeleben oder heilen lassen.

III – Macht das heute noch Spaß?

Na, und ob! Gerade für den Spielspaß zwischendurch eignen sich die räumlich begrenzte Railroading-RPGs wie M&M X perfekt.  Halbe Stunde Zeit zu zocken? Das reicht, um eben mal einen Dungeonlevel von Nagas, Orcs oder Goblins zu säubern. Danach muss die Gruppe ja eh wieder in die Stadt, Wunden lecken. Wer früher diese Art von Rollenspielen gerne gespielt hat, der wird auch heute noch seine Freude daran haben und sich das ein oder andere Mal dabei ertappen, laut „Ja, genauso war das damals“ zu rufen. Dazu kommt natürlich noch der Nostalgie-Bonus und dieses undefinierbare Gefühl von „Früher war alles irgendwie besser und anspruchsvoller“. Spätestens nach dem 30. Spielertod weiß man dann aber auch wieder, was man an Games wie Dragon Age und Konsorten hat.

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~ von 21ghostwriters - 2014/03/03.

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