Der Turm als literarischer Sword&Sorcery-Topos

The shimmering shaft of the tower rose frostily in the stars. In the sunlight it shone so dazzlingly that few could bear its glare, and men said it was built of silver. It was round, a slim perfect cylinder, a hundred and fifty feet in height, and its rim glittered in the starlight with the great jewels which crusted it. The tower stood among the waving exotic trees of a garden raised high above the general level of the city. A high wall enclosed this garden, and outside the wall was a lower level, likewise enclosed by a wall. No lights shone forth; there seemed to be no windows in the tower—at least not above the level of the inner wall. Only the gems high above sparkled frostily in the starlight.

– Robert E. Howard: The Tower of the Elephant

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Comic-Cover

Mein Nachbarblog Geschichten aus Falensia hat erst neulich das stimmungsvolle Kurzgedicht Im Angesicht des Turms veröffentlicht und mich dazu inspiriert, mal wieder ein paar Klassiker aus dem Regal zu angeln, deren Handlung in- und rund um Türme angesiedelt ist. Howards The Tower of the Elephant gehört sicher dazu, genauso wie Fritz Leibers The Howling Tower oder Lin Carters und  L. Sprague de Camps Conan-Pastiche The Gem in the Tower. Kaum ein Schriftsteller hat diesen klassischen Topos ausgelassen, weder J. R. R. Tolkien (The Two Towers), noch Michael Moorcock mit The Vanishing Tower in seiner Elric-Saga. Aber was macht den Turm so ansprechend für Autoren phantastischer Literatur?

Lassen wir mal die freud’sche Erklärung beiseite, dann wird der Turm in unserem kollektiven Gedächtnis vor allem mit Magie und Mysterium assoziiert. Die meisten Märchenzauberer leben in Türmen; Rapunzel war in einem magischen Turm eingekerkert, genauso wie die Protagonistin in The Beauty and the Beast. Außerdem stellen Türme für die handelnden Charaktere meist eine Herausforderung dar, man denke an die schwindelerregende Höhe, die Gefahr des Kletterns und des Fallens, sowie das Potential für Bogenschützen und Angriffe mit heißem Teer oder siedendem Öl. Meist lauern in Türmen dunkle Geheimnisse oder sie beherbergen Kreaturen, die eine Gefahr für den Protagonisten darstellen, wie die giftige Riesenspinne, der Conan in The Tower of the Elephant begegnet. Last but not least gibt es noch eine religiöse Komponente, die stärker herauszuarbeiten wäre; der Turm als kulturell-sakraler Archetyp und Bindeglied zwischen Irdischem und Überirdischem: Kirchturm, Minarett, Zikkurat, Maya-Tempel, Geschlechterturm, Pyramide. Wenn das nicht phantastisch ist?

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~ von 21ghostwriters - 2014/03/18.

4 Antworten to “Der Turm als literarischer Sword&Sorcery-Topos”

  1. Vielen Dank fürs Verlinken und Erwähnen! Doch ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: es heißt Falensia 😉
    Tja, Türme … was soll man dazu noch sagen? Immer wenn ich an Türme denke, kommen mir zwielichtige, magische Kreaturen, Schätze, verborgen inmitten der Schatten und heimtückischen Fallen, die jene zu beschützen versuchen. Ich finde diese Bauwerke nicht einfach interessant, nein, sie besitzen eine immense Anziehungskraft für mich! Da packt mich jedes mal die Neugier.
    Außerdem, denkt man zB an die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel, scheint es ein altes Bedürfnis des Menschen, den Himmel zu „durchbrechen“ und Gott nahe zu sein. Bin zwar nicht der religiöseste, fand diese Geschichte trotzdem interessant.
    LG

    • Ist korrigiert, danke für den Hinweis! Ich hatte ursprünglich auch vor, diese religiöse Komponente noch stärker herauszuarbeiten; also der Turm als kulturell-sakraler Archetyp und Bindeglied zwischen Irdischem und Überirdischem.

  2. […] Zhothaqquah, beziehungsweise Tsathoggua. Er residiert natürlich standesgemäß in einem Turm, fünfeckig und auf einer Klippe über dem stürmischen Ozean thronend. Am Ende entzieht er sich […]

  3. […] Film gibt es eine direkte Referenz an Howards The Tower of the Elephant, als einer der Nebendarsteller Conan auf seinen Sieg über den bösen Zauberer Yara und seinen […]

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