Fantasy-Literatur und darstellende Gewalt

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Gründet sein Reich mit der Axt: Kull

Was haben Conan, John Carter, Kull, Elric von Melniboné, Fafhrd, Kane und all die anderen Schwertträger der populären Fantasy-Literatur gemeinsam? Die Antwort ist naheliegend: Sie lösen Konflikte gerne mit körperlicher Gewalt. Da wird munter drauflos gemetzelt, sei es, um ein seltenes Juwel aus dem Turm eines Magiers zu stehlen, eine Frau aus den Klauen des Schurken zu retten (oder sie zu erobern, auch gegen ihren Willen), blutige Rache für ein begangenes (oder gefühltes) Unrecht zu nehmen oder gar, um die Götter selbst herauszufordern. In keinem dieser Fälle steht die Anwendung von Gewalt zur Debatte; Nein, ganz im Gegenteil. Brutalität ist in weiten Bereichen der Fantasy-Literatur und natürlich im Sub-Genre Sword&Sorcery im Speziellen ein völlig legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen. Lediglich etwas tiefgründigere Charaktere wie bspw. Elric von Melniboné lassen sich hin und wieder zu Reflexionen über ihr grausames Handeln hinreißen, nur, um am Ende doch wieder das Schwert sprechen zu lassen. Man kommt eben nicht raus aus seiner (Albino-)Haut, weder als Held noch als Melnibonéer. Kurz gesagt: Die Gewalt – der blutige Konflikt zwischen brutalen Typen mit großen, spitzen Waffen – ist des Helden täglich Brot.

I – Geopfert auf dem Altar der Unterhaltungsliteratur

Als es schließlich an der Zeit war, meine eigenen Storys auf Papier zu bannen, waren es diese gewalttätigen Helden der alten Genre-Meister, von denen ich meine Inspiration bezog und die Pate für das Handeln meiner Protagonisten standen. Meine Motivation, diese Blaupausen zu verwenden, wurde nicht hinterfragt, es reichte mir, Geschichten von der Art zu schreiben, wie ich sie selber gerne las und die andere vielleicht gerne lesen würden. Doch was tat ich in meinem Enthusiasmus? All das fiktive Blutvergießen und die Berge imagniärer Leichen, geopfert auf dem Altar der seichten Unterhaltung, wofür war es gut (frei nach Edwin Starr)? Ist es moralisch verwerflich, einen Stil zu bedienen, der sich von der Grundintention her an ein jüngeres Publikum richtet und in dem Konflikte bevorzugt mit dem Schwert gelöst werden?

Conan setzt seine Interessen durch

Conan setzt seine Interessen durch

Als ich den Storybogen für meinen Logwar-Zyklus ausarbeitete, wollte ich meinem Protagonisten ein verständliches und nachvollziehbares Motiv für seine Gewalt geben. Ich kam zu dem Schluss, dass es für den Leser befriedigender sei, die Gründe für Logwars kraftbetonte Konfliktbewältigung zu kennen, als einfach nur einen weiteren blutdürstenden Barbaren in die Manege zu werfen, der „eben so erzogen wurde“. Wem in seiner Vergangenheit Gewalt angetan wurde, wird Wege finden, dies in Zukunft zu verhindern, und sei es auch unter der Zuhilfenahme eigener Gewalt. Diese Herangehensweise erlaubte mir, tiefer in die Komplexität der literarischen Gewalt vorzudringen und auch die Dinge zu berücksichtigen, die nach einer gewaltsame Szene Raum gewinnen. Wie reagiert ein Protagonist emotional auf einen Kampf auf Leben und Tod? Was stellt ein Leben voller Blutvergießen und Mord mit der Psyche eines Charakters an? Typische Fragen, die mir konstant während meiner Arbeit am Logwar-Zyklus durch den Kopf gehen.

Obwohl aus unzähligen Wunden blutend, tobte das Ding weiter mit unverminderter Härte gegen seine Gegner. Einige der Männer waren bereits gefallen und lagen mit zerschmetterten Gliedmaßen im Staub. Die Übriggebliebenen, allesamt bewaffnet mit eckigen Holzschilden und langen Speeren, versuchten die wilde Kreatur in Schach zu halten, während zwei weitere Krieger mit Langbögen auf das Monster anlegten und Salve um Salve ihrer tödlichen Pfeile abschossen.

– Aus: Logwar und die Burg des Hexers

II – Ich kenne keine Schuld

Logwar der Quadym

Logwar der Quadym

Nun, um die grundlegende Frage zu beantworten, wozu Gewalt im Kontext einer Helden-Story gut sei: Sie ist in erster Linie aufschlussreich. Ich habe einmal geschrieben, dass gute Kampfszenen wie gute Sexszenen etwas über den emotionalen Charakter eines Protagonisten enthüllen. Ohne diese zweite Ebene wären Krieg und Brutalität nur Staffage für ein bluttriefendes Marionettentheater. Wenn ich an Robert E. Howards Conan denke, dann sehe ich einen Krieger, der hauptsächlich kämpft um sich selbst zu verteidigen (was überdurchschnittlich oft geschieht, wenn man bedenkt, dass Conan ein riesiger, muskulöser Barbar ist) oder um das Böse in die Schranken zu weisen. Der barbarische Ehren-Kodex ist einer der Aspekte, die Conan zu so einem fesselnden Charakter machen. Er lebt in einer gewaltsamen Welt und er begegnete ihr mit der selben, unvermittelten Härte. Für Conan und seine Umwelt zählt das Gesetzt des Stärkeren, eine sozialdarwinistische Komponente, die durchaus im Zeitgeist Howards Epoche wurzeln kann. Als Leser liegt darin etwas Nobles, als Autor eine Quelle der Inspiration.

Nein, ich fühle mich nicht schuldig. Auch wenn meine Protagonisten nicht ausschließlich zu Schwert und Axt (oder in Logwars Fall zum Kriegshammer) greifen, ist es beruhigend zu wissen, dass sie in der lebensfeindlichen Welt, die ich für sie erdacht habe, jederzeit ihre Interessen und Ideale mit der Waffe verteidigen können. Oder, um es abschließend mit den Worten Kulls zu sagen: By this Axe I rule!

© J.Islinger

 

 

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~ von 21ghostwriters - 2014/03/26.

Eine Antwort to “Fantasy-Literatur und darstellende Gewalt”

  1. Hat dies auf Treffpunkt Phantastik rebloggt und kommentierte:

    …21st century ghostwriter…
    of eldricht horrors and magic swords

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