Review: Brian Lumley – Sie lauern in der Tiefe

For Millennia, men have strutted in puny pride over the fragile surface of the Earth, arrogantly proclaiming themselves masters of creation. But now their feeble investigations have disturbed the planet’s original rulers far beneath the globe’s crust. And mankind’s placid dreams are about to be wrenched into shattering nightmare.

– Brian Lumley: The Burrowers Beneath 

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Ja, strenggenommen ist Brian Lumley heute eher durch seiner Vampir-Saga Necroscope bekannt, die uns aber nicht weiter interessieren soll. Lovecraft-Jünger wissen eh, dass Lumley seine ersten Storys im Kontext des Cthulhu-Mythos schrieb und diesen um eine Reihe cthuloider Kreaturen bereicherte. In seiner bekanntesten Novelle Sie lauern in der Tiefe (engl. The Burrowers Beneath) verpflanzt er den Mythos von den Tiefen des Ozeans in die Tiefen der Erde, ohne jedoch den Bezug auf das Original zu verlieren. Dabei orientierte er sich eher an der katalogisierten Mythos-Interpretation August Derleths, denn an der fragmentarischen Herangehensweise Lovecrafts. Ein weiterer Unterschied: Lumley lässt – anders als noch Lovecraft und Derleth – nicht Animateure und unglückliche Zufallsopfer in den Fokus der außerirdischen Mächte geraten, nein, seine Protagonisten sind wehrhafte Profis und bestens mit Esoterik und dem Okkulten vertraut.

Der exzentrische „Wissenschaftler“ Titus Crow und sein treuer Kompagnon Henri-Laurent de Marigny sind eifrige Studenten altertümlicher Bücher (darunter das gefürchtete Necronomicon, eine Schöpfung Lovecrafts) und überzeugt, dass es neben der sichtbaren Welt eine höhere Realität voller längst vergessener, kosmischer Schrecken gibt. Als es zu einer Anzahl seltsamer Erdstößen in England kommt, beschließen Crow und de Marigny, ihre Schreibstube zu verlassen, und Nachforschungen rund um die rätselhaften Erdbeben anzustellen. Sie kontaktieren einen Mann, der bei der Untersuchung einer eingestürzten Mine auf seltsame Tunnel und merkwürdige Felsmalereien stieß. Die ersten Befürchtungen bewahrheiten sich schnell: Tief unter der Erde lauert ein unvorstellbares Grauen, älter als die Menschheit.

I – Der Schrecken aus der Tiefe

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Ein Cthonier

Das 200-seitige Buch ist durchaus unterhaltsam und kurzweilig, wenn man es als das nimmt, was es ist: Pulp. Im Verlauf der Story lernen wir die urzeitliche Rasse der Cthonier kennen, wurmähnliche „Gottheiten“, die vor 300 Millionen Jahren die Erde kolonisierten und dann von den Alten Göttern unter die Erdoberfläche verbannt wurden. Vater der Cthonier ist der Große Alte Shudde M’ell, eingekerkert unter den Ruinen G’harnes, einer untergegangenen Stadt in Zentralafrika. Von dort aus kommuniziert er telepathisch mit seinen Kindern und plant die Versklavung der Menschheit und die Rückeroberung der Erde für sich und seine außerirdische Rasse. Wie alle Cthonier, kann Shudde M’ell in die Träume von Menschen eindringen und deren Gedanken manipulieren. Dank dieser Gedankentrickserei existiert eine Gruppe menschlicher Gegenspieler, die natürlich verhindern wollen, dass sich Titus Crow den wiedererwachten Schrecken aus der Tiefe entgegenstellt. Die meisten dieser unfreiwilligen Kultisten sind durch den ständigen Missbrauch durch die Cthonier verrückt geworden.

It was octopoid, this dweller in the earth…flowing tentacles and pulpy gray-black, elongated sack of a body…rubbery…exuding a vilely stinking whitish slime… eyeless…headless too…Indeed I could see no distinguishing features at all other than the reaching, groping tentacles. Or was there-yes!-a lump in the upper body of the thing….a container of sorts for the brain, or ganglia or whichever diseased organ governed this horror’s loathsome life!

II – Kurzweiliger Trash

Die Prosa des Buches ist hin und wieder etwas Over-the-Top. Lumley hat versucht, so viel Inhalt wie möglich in das Buch zu packen, gleichzeitig seine Interpretation des Cthulhu-Mythos unterzubringen und eine akademisch-geheimbündisch organisierte „Cthulhu-Abwehr-Task Force“ der Miskatonic-University zu etablieren. Das mag vielen Lovecraft-Puristen zu viel des Guten sein. Und zugegeben, es mutet recht seltsam an, wenn Lumley die atomaren Tests der Nachkriegszeit als gezielte Militärschläge gegen chtonische Aktivitäten erklärt oder das bekannte Ältere Zeichen als übermächtige Allzweckwaffe gegen Große Alte stilisiert. Miskatonic-Wissenschaftler haben ein Cthonier-Nest lokalisiert? Kein Problem, einfach ein paar Sternstein-Amulette rund um den Wurm vergraben, und die Kreaturen sind gebannt. Das nimmt natürlich einiges an kosmischen Schrecken aus der Story. Aber ich glaube, Lumley wollte mit Sie lauern in der Tiefe auch nicht zu ernst genommen werden. Die ganze Konzeption der Geschichte deutet darauf hin, dass hier bewusst  Lovecrafts Werk in einem trashigen Sinn rezipiert und fortgeführt wurde. Natürlich hält das Buch keinem direkten Vergleich mit dem großen Vorbild stand. Für sich betrachtet, bietet Lumley eine phantasievolle Variante dessen an, was passieren würde, wenn sich Menschen entschließen, der Dienerschaft der Großen Alten den Krieg zu erklären. Somit nimmt er ein Stück weit vorweg, was später mit Guillermo Del Toros erster Hellboy-Verfilmung cineastisch in Szene gesetzt wurde.

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~ von 21ghostwriters - 2014/05/06.

2 Antworten to “Review: Brian Lumley – Sie lauern in der Tiefe”

  1. Good, fun stuff.

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