Logwar der Quadym: Vorankündigung und Leseprobe

Logwar der Quadym

Logwar der Quadym

Die folgende Leseprobe beinhaltet den Anfang des 1. Kapitels Von Henkern und Hexern und stammt aus der aktuellen Episode Logwar  Schatten über Harons HandDie Story wird Anfang Juli bei Kindle eBooks erscheinen. Logwar – Tod in Oskan erscheint Anfang Juni ebenda.

Die Wälder Keshtors waren tief und alt. Seit Tagen schon ritt Logwar der Qudaym durch das dichte Gehölz, ernährte sich von erlegtem Wild und stillte seinen Durst an klaren Bachläufen. Hier in der Wildnis gab es keine Siedlungen und keine Menschen, nur ihn, sein Ross und den genügsamen Maulesel, der eine große Truhe voller Gold und Juwelen mit sich schleppte. 
Logwar konnte sich nicht entsinnen, wann er zum letzten Mal anderen Menschen begegnet war. Anfangs hatten noch Holzfäller und Wilderer seinen Weg gekreuzt, später dann goldgierige Wegelagerer, die Bekanntschaft mit seinem Kriegshammer machen mussten. Doch hier, etliche Wegstunden von den urbar gemachten Landstrichen Keshtors entfernt, gab es keine Menschenseele, die ihn behelligte

Es war nicht so, dass der Barbar besonderen Wert auf Gesellschaft legte. Nach drei Sommern in Oskan, der schwarzen Vulkanstadt, waren ihm Einsamkeit und die Stille der Wildnis die einzigen Freunde geworden, die er brauchte. 
In Oskan hatte er sich sein Gold als Gladiator in der berüchtigten Arena des Todes verdient und war von den Einwohnern als großer Krieger gefeiert worden. Am Ende ließ man ihn in den Kerker werfen, aus Gründen der Politik, von deren Feigheit und Rückgratlosigkeit er nichts hielt. Doch er hatte Rache genommen und der finsteren Stadt schlussendlich den Rücken gekehrt.
Nun führte ihn sein Weg nach Norden, und nur die Alten Götter wussten, wo das Ziel seiner Reise lag. Vielleicht würde er nach Ungelorn gehen, der großen und mächtigen Hauptstadt des Reichs.
Aber der Hüne mit der kupferfarbenen Haut hatte es nicht eilig. Der Weg, der vor ihm lag war lang, und viele Gefahren mussten noch überwunden werden, bevor er die weißen Tore Ungelorns passieren würde.

***

Das wenige Licht der fluoreszierenden Mauern reichte den beiden Kriegern gerade so zur Orientierung. Meter für Meter drangen sie in den gewundenen Gängen vor, wissend, dass sie sich in diesem unterirdischen Labyrinth bereits hoffnungslos verlaufen hatten. Die Anordnung der Räume, Zellen und Korridore ergab hier keinen Sinn mehr, alles wirkte willkürlich und merkwürdig verschoben. Rona wusste noch, was die überlebenden Wachen der Festung in Harondarr erzählt hatten. Wie sie verängstigt von den Gängen sprachen, die plötzlich verschwanden, um neuen Räumen Platz zu machen. Wie ganze Türme versanken, und an anderer Stelle neue in die Höhe wuchsen. Malikarr hatte durch schreckliche Magie Harons Hand seinen Bedürfnissen angepasst und noch immer übte er Macht über das alte Mauerwerk aus. Ihm fröstelte, als er begriff, dass der Hexer sie jederzeit wie Fliegen zerquetschen konnte.

Umso merkwürdiger war der schweigsame Quadym, der so unbekümmert und todesverachtend voran schritt und anscheinend ohne Angst dem Herren dieser Zitadelle entgegentreten wollte. Was trieb ihn wohl an? Schon im Henkersbeil war Rona aufgefallen, wie wenig Logwar auf sein eigenes Leben gab, als er sich ohne Deckung in die schleimigen Fänge der widerlichen Kreatur warf und sie alle vor dem sicheren Tod bewahrte. Vielleicht war das ja die Art der Quadym, ein angeborener Mut, der zu großen Taten und Selbstaufopferung befähigte. Und doch erkannte er ein Glimmen von Wahnsinn in den Augen des Barbaren. Etwas, das Rona nicht einordnen konnte, und das ihn schaudern ließ. Ein Blutdurst, der mit keinem Schwert der Welt zu stillen war.

Nach einer gefühlten Ewigkeit des Herumirrens durch die verlassenen Zellentrakte öffnete sich  der Korridor vor ihnen unvermittelt zu einer große, hell erleuchteten Halle. Rona stockte der Atem. Und auch Logwar rieb sich verwundert die Augen – was zum einen an der plötzlichen Helligkeit, zum anderen an der morbiden Pracht des neu entdeckten Gewölbes lag. Vor ihnen standen – kreisförmig angeordnet – sechs große, kupferne Feuerschalen, deren Lohe sich vielfach auf einem nachtschwarzen Marmorboden widerspiegelte. Im Schein der Flammen erkannte Logwar, dass die Wände der Halle mit tausenden Knochen und Schädel verkleidet waren, zweifellos das Werk eines kranken Geistes. Leere Augenhöhlen starrten die fremden Eindringlinge an und grinsende Zahnreihen lächelten wie zu einem zynischen Willkommensgruß von allen Wänden. Auf dem Boden waren Glypen gezeichnet, deren Bedeutung sie nicht entziffern konnten, doch Logwar ahnte, dass sie mit Blut geschrieben waren. 

 

© J.Islinger

 

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~ von 21ghostwriters - 2014/05/08.

4 Antworten to “Logwar der Quadym: Vorankündigung und Leseprobe”

  1. Sehr guter Schreibstil, gefällt mir! Besonders die Beschreibung der Augenhöhlen und Zahnreihen am Ende kam bei mir sehr gut an. Wie viele Seiten haben die beiden Bände? Und noch eine Frage: Wie spricht man Quadym konkret aus? Kwadüm, Kwadiem?

    VTT

    • Hallo VTT, danke für dien Kommentar. Pro Band habe ich ungefähr 60 – 70 Normseiten veranschlagt. Das ist für die Geschichten, die ich schreibe, der richtige Umfang. Ich möchte ja keine epische Saga, sondern lose zusammenhängende Einzelepisoden aus dem Leben des Protagonisten erzählen.

      Kwadiem ist richtig, so spreche ich es jedenfalls aus.

  2. […] ins Dunkle zu bringen. Die bisher titellose Geschichte spielt einige Jahre vor den Ereignissen von Tod in Oskan, ist etwas kürzer und wird vermutlich auch als Hörbuch veröffentlicht. Bis dahin ist es aber […]

  3. […] ins Dunkle zu bringen. Die bisher titellose Geschichte spielt einige Jahre vor den Ereignissen von Tod in Oskan, ist etwas kürzer und wird vermutlich auch als Hörbuch veröffentlicht. Bis dahin ist es aber […]

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