Wolfenstein: The New Order (2014) – Kontroverse

Lese auch: Review: Wolfenstein (2009)

Hinweis: Um hiesigen Gesetzen Rechnung zu tragen, wurden insbesondere einschlägige Symbole und Inhalte, die gegen § 86a des deutschen Strafgesetzbuches oder vergleichbare Verbotsvorschriften verstoßen oder verstoßen können, um nicht minder atmosphärische Alternativen ersetzt.

– Steam-Store

Bei der notwendigen Zensur hat Bethesda großen Aufwand betrieben. Mit Erfolg: Das Spielerlebnis wird nicht beeinträchtigt.

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Wolfenstein-Cover

Mit letzterem Satz beschreibt die PC Games ein Dilemma, das so alt ist, wie die Serie selbst: Seit Wolfenstein 3D aus dem Jahre 1992 sind die Spiele der Wolfenstein-Reihe auf dem deutschen Markt entschärft, heißt, um Szenen und Symbole verfassungsrechtlicher Relevanz geschnitten. Darunter fallen nach deutschem Gesetzt unter Anderem Hakenkreuz, SS-Runen, Wehrmachts-Balkenkreuz, Hitlergruß und diverse andere, von den Nazis missbrauchte Runen. Und da Computerspiele  anders als Filme – in Deutschland immer noch als „Spielzeug“ und nicht als Kunst gesehen werden, wird das auch noch eine ganze Weile so bleiben. Hinzu kommt noch die paranoide Angst deutscher Prüfstellen, dass allein der Anblick von Hakenkreuzen schon ausreichen könnte, die mühsam gebändigte Nazibestie in jedem Deutschen zu entfesseln. Dabei spielt es gar keine Rolle, dass der Spieler in Wolfenstein GEGEGN die Nazis, und nicht MIT den Nazis kämpft. So kriegt der deutsche Spieler statt den altbekannten Nazi-Emblemen ein Fantasie-Logo zu sehen, das gleichzeitig auch Logo der Spiel-Reihe ist und über dessen Ästhetik man sicher streiten kann. Und das schon seit Return to Castle Wolfenstein von 2001.

I  Mehr als nur Hakenkreuze

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Erlaubt: Der Film Dead Snow

Nun gibt es viele Stimmen, die sagen, dass der Spielspaß sicher nicht von ein paar Hakenkreuz-Fahnen abhängt. Auch das ist kontrovers zu diskutieren. Für mich bedeutet die ständige Konfrontation mit dem Marken (!!!)-Emblem vor allem eines: Ein Zerstören der Illusion, ein sogenannter Durchbruch der fourth wall. Erschwerend ist die Tatsache, dass Bethesda mit dem nun vierten Teil wieder das Kind mit dem Bad ausgeschüttet hat. So wurde für die deutsch-synchronisierte Version nicht nur die Symbolik, sondern auch die Dialoge geändert. In The New Order kämpft man folglich nicht gegen Nazis, sondern gegen das ominöse „Regime“. In dieser alternativen Parallelwelt einer alternativen Parallelwelt heißt Himmler „Höller“, die SS „Wolfssekte“, Obersturmbannführer sind „Alpha-Wölfe“, und arische Züge werden flugs zu „schönen Gesichtszügen“ (was im Übrigen wirklich rassistisch ist, aber sei’s drum). Dabei verlangt die deutsche Gesetzgebung solche Änderungen keineswegs. Vollends lächerlich und unverschämt wird die Farce aber erst durch Bethesdas Einrichtung eines Regiolocks; das heißt, dass selbst im Ausland gekaufte, unzensierte Versionen des Games nicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiviert und gespielt werden können. Die vollendete Bevormundung des erwachsenen Gamers.

II – Gaming-Mags bleiben unkritisch

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Nicht erlaubt: The New Order

Als willfährige Gehilfen dieser Bevormundung fungierten auch dieses Mal wieder die deutschen Gaming-Magazine, die zu keiner Zeit die Verstümmelung von The New Order kritisch hinterfragten. Stattdessen betonte man gebetsmühlenartig, dass Bethesda ausschließlich die Symbole geändert, und mit dem ebenso „stimmungsvollem“ Spiele-Logo ersetzt hätte. Kein Wort über editierte und verfremdete Dialoge, „Wolfssekte“ und „schöne Gesichtszüge“. Ein weiteres Manko: The New Order kann aufgrund dieser unnötigen Zensur in Deutschland nur auf deutsch gespielt werden. Der Reiz der Originalfassung, englischsprachige Charaktere englisch, polnische Charaktere polnisch und deutsche Charaktere eben deutsch sprechen zu lassen, geht folglich vollends verloren. Wer das nicht glaubt, kann gerne diese beiden Gameplay-Trailer vergleichen:

Schlussendlich bleibt für mich nur der Griff nach einer alternativen Möglichkeit, das Spiel so zu spielen, wie es von den Entwicklern ursprünglich gedacht war. Also ohne „Wolfssekte“ und „Regime“. Wer immer auch meint, dass es darauf nicht ankäme, der hat die Wolfenstein-Serie in ihrer Konzeption als lose historisch-verbandelter Nazi-Science-Occult-Trash nie verstanden. Und natürlich ist es ein emotionaler Unterschied, ob ich gegen Nazis kämpfe, die ja im kollektiven Menschheitsgedächtnis mit dem ultimativen Bösen gleichgesetzt sind, oder mit den gesichtslosen „Wölfen“. Da fehlt mir einfach der Bezug zum historischen Background, auf dem Wolfenstein basiert. Jeder weiß ja, dass es sich eigentlich um Nazis handeln soll. Somit ist das Feigenblatt der Tarnung nicht nur störend, sondern auch unnötig. Fraglich bleibt, wie lange wir in Deutschland noch brauchen, PC-Spiele als das anzuerkennen, was sie sind: Kunst.

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~ von 21ghostwriters - 2014/05/20.

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