Port Amfayo, die Stadt der Tausend Segel [Update]

Der Mann fürs Grobe

Der Mann fürs Grobe

Ja, es geht weiter! Ein paar Verzögerungen, Uni, egal: Es sind Semesterferien und der virtuelle Federkiel kreist wieder. Wen es interessiert, kann jetzt schon mal ein wenig in Kurzgeschichte Nr. 3 reinschnuppern, die einen Prequel zu der eigentlichen Saga Logwars darstellt. Da meine Beta-Leser meinten, Logwars Motivation, Rache für sein entführtes und verschlepptes Weib zu nehmen, bisher zu stiefmütterlich behandelt wurde, habe ich den Prequel als Möglichkeit gewählt, hier ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen. Die bisher titellose Geschichte spielt einige Jahre vor den Ereignissen von Tod in Oskan, ist etwas kürzer und wird vermutlich auch als Hörbuch veröffentlicht. Bis dahin ist es aber wohl noch ein etwas längerer Weg, und obwohl die ersten beiden Geschichten beendet sind, harren sie ihrer Veröffentlichung. Leider hat mich meine Illustratorin im Stich gelassen und außer einigen Skizzen sitze ich ohne Cover-Artwork da. Ergo suche ich derzeit eine/einen neue/neuen Illustratorin/Illustrator. Wer jemanden kennt, darf sich gerne an mich wenden.

Nun aber zu der Story! Schauplatz des Prequels ist die Hafenstadt Port Amfayo, angesiedelt an der Südgrenze zwischen Sûd und Nig. Der Stadtstaat ist einer der größten Umschlagplätze für Sklavenhandel und – anders als Sûd – weitaus weniger von Gesetzen reguliert.

Südlich des großen und mächtigen Keshtors und jenseits der dampfenden Wälder von Nig und den Wüsten von Sûd liegt Port Amfayo, die Stadt der Tausend Segel. Kommt man auf dem Seeweg in die Stadt, weiß man schnell, woher der Name rührt. Schiffe aus der ganzen Welt liegen hier vor Anker und bilden einen unüberschaubaren Wald aus Mastholz und Segeltuch. Schlanke Galeeren aus Krônvall ankern hier ebenso wie Dschunken aus Kihito, und khaddanische Kutter liegen einträchtig neben den schwarzen Dromonen Sûds.
Überall auf den Kaianlagen herrscht geschäftiges Treiben. Hunderte Hafenarbeiter mit wettergegerbter Haut vertäuen Schiffe, löschen Ladungen und füllen Lagerräume mit exotischen Waren. Unzählige fleißige Hände tragen unter den lose sitzenden Knuten ihrer Vorarbeiter jeden Tag dazu bei, Port Amfayos Stellung als mächtigster Stadtstaat des Südens zu behaupten.

Hoch über diesem Chaos der Anleger und Lagerhäuser erheben sich die zahlreichen Kuppeln und Minarette des Smaragdbezirks in den Himmel, aus dessen Firmament eine sengende Sonne beständig und grell von den goldenen Türmen der Tempel flammt. Hier wohnt Fayomai, der Gott und Schutzpatron der Stadt – ein alter, grausamer Gott, auf dessen Altären jährlich dutzende Sklaven als Opfer dahingeschlachtet werden. Denn Amfayo ist eine Sklavenstadt, und die einflussreichen Handelshäuser Sûds schauen voller Neid und Argwohn auf die blühende Metropole am Rand der bekannten Welt.

Gedacht ist Port Amfayo aus Mischung verschiedener Einflüsse: Piratenstädte wie Tortuga, orientale Basare, Palastanlage indischer Herrscher und gedrungene Ziegelbauten babylonischer Bauart dienten bei der Gestaltung als Inspiration. Das ist sicher nicht neu, aber effektiv. Hinzu kommt eine sadistische Grausamkeit, die sich wie ein Schleier über die Stadt legt und verdeutlicht, wie Gesetzlosigkeit und Barbarei abseits der großen Zivilisationen gedeihen.

Keine 200 Jahre ist es her, da war Port Amfayo nicht mehr als ein Piratennest, eines von vielen an den brackigen Wassern der Roten Bucht zwischen Nig und Sûd. Dann kamen die Sklavenhändler, Geächtete aus den zivilisierteren Reichen – und mit ihnen der Wohlstand.
In den Harems und Teestuben Sûds heißt es abfällig, die Einwohner Port Amfayos seien im Herzen immer noch die selben Gauner und Halsabschneider wie damals; sie trügen jetzt eben kihitische Seide statt dem derben Tuch der Buchtbewohner und imitierten – behangen mit allerlei Geschmeide und Juwelen – den Lebensstil vornehmer Südländer.
Und auch wenn in solcher Häme viel Neid mitschwingt: Wer es in Port Amfayo zu Wohlstand gebracht hat, zeigt keine Scheu, diesen stolz in der Öffentlichkeit zu bekennen. Der Stadtadel residiert in weitläufigen Palastanlagen, umgeben von prächtigen Gärten und fern der schlammigen Bucht. Die Straßen hier sind voll mit den Sänften reicher Händler, die, von breitschultrigen Sklaven getragen, von Markt zu Markt schwanken. Im Zentrum dieses Gewirrs, direkt zwischen Hafen, Kaufmanns – und Smaragdbezirk, befindet sich der Basar, Hauptumschlagplatz für menschliche Ware aller Art und pulsierendes Herz der Stadt. Von seinem Sockel aus aufgetürmten Schädeln, überblickt ein steinernes Standbild Fayomais das geschäftige Treiben, in der einen Hand die Peitsche, in der anderen die Kette haltend. Schon von weitem kann man sein strenges Haupt hoch über den Ständen und Tribünen der Kaufleute sehen und man erschaudert ob der grausamen Menschenopfer, die hier in seinem Namen begangen werden. Da es keinen König in Amfayo gibt, ist Fayomai der wahre Herr dieser verdorbenen Stadt und seine grüngewandete Priesterschaft verwalten diese Herrschaft gewissenhaft in seinem Namen.

Wer über den Landweg nach Amfayo gelangt, landet zunächst in den Gassen des Traubenviertels, noch ganz verschwitzt von den feuchten Dämpfen, die beständig aus der Roten Bucht emporwallen und das Land in unwirklichen Dunst hüllen. Hier, zwischen Freudenhäusern, Lotushöhlen und schäbigen Tavernen, zeigt Port Amfayo dem Reisenden seine schwarze Seele. Denn noch bevor ihn das Häusermeer verschluckt, passiert er die Schandpfähle: Dreißig große Schiffsmasten, an denen ungehorsame Sklaven mit Nägeln an das Holz geschlagen sind. Die Sonne und der faulige Brodem zehren an den Leibern, während Möwen unbarmherzig in das Fleisch der Todgeweihten picken. Nur selten ist einer dieser Pfähle leer und die Schreie der Siechenden tönen bis tief in die fiebrigen Nächte der Bucht.

© J.Islinger

 

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~ von 21ghostwriters - 2014/08/15.

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